A blog by Flo Diehl

Reading: "Der Große Krieg - Die Welt 1914-1918" by Herfried Münkler

Apr 14, 2014

Was wäre wenn

Es ist ja bekanntlich das Jubiläumsjahr des Ersten Weltkrieges. Ich möchte eigentlich gar nicht auf die Historie kommen - denn ich weiß, dass ich noch viel zu wenig darüber weiß (1 und 2 liegen schon auf meinem Tisch…).

Ich will viel mehr über Fermis Paradoxon sprechen. Enrico Fermi postulierte einmal, dass jede Zivilisation einen kritischen Punkt überschreiten muss an dem sie sich selbst auslöschen kann. Fermi arbeitete an Chicago Pile-1 - dem ersten nuklearen Reaktor. Das war 1942. Nur 3 Jahre später (!) warfen die Amerikaner die Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki. Obwohl Little Boy (die Bombe über Hiroshima) nur 600mg Plutonium mitführte richtete sie mehr Schaden als als die größere Fat Man an.

An diesem Punkt stelle man sich kurz folgendes vor: was wäre geschehen, wenn Bismarck etwas später geboren, und der deutsch-französische Krieg nicht 1870/71 sondern 1900/01 stattgefunden hätte? Das Konstrukt der wechselseitigen Verträge wäre genau in dem Moment zusammengebrochen als der Mensch zum ersten mal die Kraft der Kernspaltung entdeckte. Was wäre geschehen wenn das Jahr 1942 den Ersten Weltkrieg noch nicht kannte? Was wäre geschehen, wenn, wie 1914, die europäischen Großmächte wie Rammböcke aufeinanderprallen - nur eben nicht "nur" mit Maschinengewehren und Flugzeugen, sondern zusätzlich mit Der Bombe?

Das Englische kennt einen Begriff für das, was dabei garantiert passiert wäre - Annihilation. Und damit sind wir wieder beim Fermi-Paradoxon. Wenn, wie die Geschichtsschreibung heute weiß, ein solch einschneidendes Ereignis wie der Erste Weltkrieg von vielen kleinen Zufällen und limitierten Faktoren abhängt, die in ihrer Anzahl und Timing das maximale Chaos und Leid verursachen können; ist es dann nicht vorstellbar, dass nicht viel gefehlt hätte, dass es (uns) auch anders hätte (er)gehen können?

Die Anwendung dieser Idee auf die menschliche Geschichte ist natürlich müßig - aber wenn wir davon ausgehen, dass es noch hunderte, tausende Zivilisationen im Universum gibt und gab, kann man sich durchaus die Frage stellen wie viele "es geschafft haben". Also wie viele Zivilisationen haben die Fermi-Grenze über schritten?

Es ist auch nur ein nettes Gedankenexperiment, natürlich. Aber vielleicht sagt es mehr über uns als Menschheit aus, als wir uns eingestehen wollen.

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Apr 6, 2014

Theory of Intelligence

Die Wissenschaft arbeitet sich seit Jahren an der Antwort auf die Frage was uns von anderen Tieren unterscheidet. Welches das Killerfeature unseres Gehirns ist, das uns Kunst schaffen, Kriege führen und Talkshows gucken lässt.

Ich meine die Frage ist falsch gestellt. Beziehungsweise die Antworten sind zwar richtig, aber beantworten nicht die eigentliche Frage. Neurowissenschaftler finden fast täglich Neues über unser Gehirn raus. Wir bekommen erzählt wie genial und einzigartig es ist. Könnten Sie einen Reißverschluss erfinden? Ich weiß, die Frage kommt etwas abrupt und überrumpelt Sie wahrscheinlich an dieser Stelle. Aber da sie den letzten Satz ja auch schon gelesen haben kann ich Sie ja nochmal fragen: Wären Sie, Gesetz dem Fall er wäre noch nicht erfunden, mit Ihrem Wissen, mit Ihrem Gehirn, in der Lage den Reißverschluss zu erfinden? Ehrliche Antwort…vermutlich nicht. Ich auch nicht. Ich wäre auch nicht in der Lage die Venus von Botticelli so zu malen wie Botticelli sie gemalt hat. Mein Punkt ist, dass wir alle wahnsinnig komplexe Gehirne haben mögen - wir sind aber nicht alle in der Lage Kunst zu schaffen oder Technisches zu erfinden.

Das war der erste Punkt den ich machen wollte. Unsere Gehirne sind im Durchschnitt vielleicht alle sehr ähnlich, sind aber doch sehr unterschiedlich. Der zweite Punkt ist: hätte Botticelli seine Venus auch gemalt, wenn er 400 Jahre später geboren worden wäre? Was hätte der Mann der das Stopp-Schild entwickelt hat gemacht, wenn das Auto noch nicht erfunden wäre? Wir schöpfen einen Großteil unseres täglichen Wissens das wir anwenden aus Erfahrungen mit anderen Menschen. Also mit anderen die im hier und jetzt mit uns leben. Den gesamten Teil unseres kollektiven Wissens verdanken wir aber Menschen, die vor uns gelebt haben. Die ihr Wissen gesammelt und aufgeschrieben oder irgendwie anders niedergelegt haben, sodass wir davon profitieren können.

Das ist das eigentlich geniale an unserer Spezies. Dass wir es geschafft haben Wissen über Generationen hinweg relativ unverfälscht weiterzugeben. Wissen über die Nockenwelle hat Jahrtausende überdauert. Manches Wissen geht verschollen und wird wo anders und zu anderer Zeit wieder gesammelt und aufgeschrieben. Wieder anderes Wissen wird zeitgleich gesammelt. Der Punkt ist, wir verdanken unser Leben nicht unserem Gehirn allein, sondern abertausenden Gehirnen (Menschen) die vor uns lebten. Das bedeutet also im Umkehrschluss: wir verdanken UNSEREM Gehirn gar nicht so viel. Unser Hirn lässt uns vielleicht beim Treppensteigen nicht auf die Nase fallen, aber wir (die meisten von uns) könnten keine Musik komponieren - oder das Stopp-Schild entwickeln.

Was ist also mit unser ach so gelobten Intelligenz? Sind wir, als Individuen, wirklich so verschieden von Menschenaffen, Delfinen, oder Elefanten? Die Grenzen verschwimmen zusehends. Der Machismo des Menschen ob seiner Intelligenz wird stärker und stärker beschnitten. Wir suchen unser Alleinstellungsmerkmal in unserem Kopf, verzweifelt, ja besessen geben wir Milliarden aus um DEN Grund für unsere Genialität zu finden, und den anderen (intelligenten Lebewesen) zu beweisen wer Chef ist. Oder um es zumindest uns selbst zu beweisen.

Diese krankhafte Suche nach unserer Individualität im Tierreich ist gefährlich und eigentlich auch armselig, denn sie zeigt, dass wir nicht so intelligent sind wie wir uns selbst einzureden versuchen. Anstatt Größe zu zeigen und uns nach den Maßstäben nach denen wir uns messen auch wirklich zu handeln, schlachten wir weiterhin Tiere ab - unter anderem auch die Tiere die, was die individuelle Intelligenz angeht, mindestens mit uns Schritt halten können.

Diese Gedanken verdanke ich einem Buch 1 das mich sehr fasziniert hat. Es hat mich auch daran erinnert warum ich eigentlich begonnen habe Biologie zu studieren - vielen Dank dafür, Herr Brensing.

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Mar 6, 2014

Kalender 2014: April

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Aufgenommen mit dem 50-200mm f/2.8 Objektiv mit meiner Olympus E-600. Wir waren an unserem letzten Abend am Place Joffre um den Eiffelturm zu sehen. Wir waren etwas enttäuscht, dass das Wetter nicht so schön war - den ganzen Tag war es bewölkt und regnerisch. Abends, nach der Stadttour mit dem Touri-Bus waren wir dann endlich am Eiffelturm; und dann kam auch noch Nebel auf! Dieser Nebel führte aber zu einer ganz eigenartigen Stimmung. Eigentlich ein Glücksfall, denn bei klarem Himmel sieht man den Eiffelturm ja eigentlich immer :-)

Erst bei der Nachbearbeitung für dieses Kalenderblatt fiel mir auf, dass wir hier ein sehr schönes Beispiel für Komplementärfarben-Kontraste haben. Der Orange-Gelb Töne der Turmbeleuchtung sind komplementär zum Blau des Himmels. Und das Gelb-Grün der Statuen kontrastiert mit dem Lila-Orange der "Halo" rund um den Turm. Also eigentlich gleich zwei Kontraste in einem Bild, und das alles nur wegen des Nebels :-)

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Mar 6, 2014

Kalender 2014: März

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Aufgenommen mit dem 24-42mm Kit-Objektiv für die Olympus E-600.

In Uhldingen am Bodensee gibt es einen 1:1 Nachbau eines steinzeitlichen Dorfes direkt "im" See. Die Pfahlbauten bestehen aus mehreren Häusern die von einem Holzwall umschlossen, und mit Stegen verbunden sind. Das Foto zeigt einen Schwan und ein Holz-Kanu unter Wasser. Das ist ebenfalls ein Nachbau und wurde mit voller Absicht "versenkt". Die frisch gehauenen Kanus werden mit Steinen beschwert und in 30-50cm tiefen Wasser für mehrere Wochen versenkt, sodass das Holz quellen kann, sich die Fasern weiten und somit das Gefährt noch wasserdichter wird. Das Foto habe ich absichtlich etwas zu dunkel belassen, weil ich den gleißenden Effekt der reflektierten Sonne verstärken wollte. Der Schwan war ein Glücksfall :-)

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Feb 1, 2014

Kalender 2014: Februar

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Aufgenommen mit dem 25mm Pancake-Objektiv im Atomium in Brüssel. Im Atomium gibt es einen zentralen Fahrstuhl zu dem man in die mittlere und die obere "Kalotte" kommt. Zusätzlich kann man noch mit 3 Rolltreppen die anderen Kalotten besuchen. Das ganze sieht auf dem Bild "spaciger" aus als es ist :-) Der 50-er Jahre Stil ist immer noch unverkennbar…Stahlstreben und -rohre überall…

Der Ausblick von ganz oben ist aber jede Reise wert. Die Ausstellungen im Atomium beschreiben hauptsächlich den Bau des Atomium und die Weltausstellung von '58.

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Jan 29, 2014

ProcastriNation

Neulich hörte ich im D-Radio einen Bericht über die Demonstrationen in Kiew; der Korrespondent erwähnte, dass die Demonstranten sehr gut organisiert sind und Schichtdienst an den Barrikaden, beim Kochen etc. haben. Das Regime spekulierte ja auf die zermürbende Wirkung der Eiseskälte auf die Demonstranten - aber die Polizisten sind wahrscheinlich zermürbter, denn sie sind zahlenmäßig unterlegen und müssten folglich länger in der Kälte ausharren. Es ist daher schon faszinierend, dass noch keine Polizisten "übergelaufen" sind - zumindest nicht in einer Anzahl dass es eine Berichterstattung wert wäre; was hält diese Leute davon ab sich mit den Regimegegnern zu solidarisieren? Diese haben doch schließlich auch Jobs, Familien usw. die sie nicht sehen können während wie gegen Janukowytsch demonstrieren. Naja, vielleicht ist frieren besser als im Knast zu landen…

Aber ein anderer Gedanke geht mir im Kopf rum: die ersten Demonstranten in der Ukraine werden wahrscheinlich Arbeitslose und/oder Studenten gewesen sein - denn: die haben am meisten Zeit und können es körperlich ab auch im Winter auf der Straße zu stehen und sich mit Gasgranaten bewerfen zu lassen (im Gegensatz zu den Rentnern). Die Arbeitslosen haben also viel Zeit. Warum bezahlen wir sie nicht dafür?

Wie? Was? Doofe Idee? Wir bezahlen doch schon viel zu viel für das Pack! Sehen wir es uns mal von einer anderen Seite an: Demokratie lebt von der Partizipation. Partizipation braucht Zeit…wer hat am meisten Zeit? Stimmt --> s.o. Also, wäre es nicht politisch und gesellschaftlich sinnvoll noch mehr Geld in Bildung (der Jugend) und vor allem in Weiterbildung (zur Erhöhung des Bildungsstands derjenigen die schon aus dem Schüleralter raus sind) zu investieren? Aber nicht nur "zweckgebundene" Bildung, also eine gezielte Ausbildung, sollte finanziert werden sondern auch das Kunstschaffen. Arbeitslosigkeit ist nur dann Zeitverschwendung wenn man diesen Leuten nichts bietet mit denen sie ihre grauen Zellen arbeiten lassen und kreativ sein können.

Aber unsere Bundesmutti (A. Merkel) will ja lieber eine marktkonforme Demokratie. Alle sollen arbeiten und "nebenbei" ihren Bürgerpflichten nachkommen. WACHSTUM wird großgeschrieben, Demokratie haben wir ja schon. Langfristig wird so das Bürgertum mehr und mehr zum Konsumzombie-tum.

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Dec 31, 2013

Kalender 2014: Titelblatt

Einige kennen schon meine Tradition, meine (subjektiv) besten Photos in einem Jahreskalender zusammen zu stellen. Aus Mangel an Zeit und Geld habe ich dieses Jahr den Kalender "digital-only" erstellt.

Jeden Monat gibt's also ein neues Kalenderblatt, beginnend mit dem Titelblatt für das neue Jahr 2014 image

Aufgenommen auf dem Münster mit meinem 80mm Lensbaby. Ich wußte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass ich Ulm im Lauf des Jahres 2013 verlassen werde; ich hatte aber dennoch das Gefühl, dass in den 10 Jahren das Münster nur ein einziges Mal erklommen zu haben definitiv zu selten war. So war ich an einem der wenigen schönen Frühlingstage der allererste am Fuße des Münsterturmes und begann den Aufstieg. Der Wind pfiff verdammt eisig durch das Gemäuer aber der Blick entlohnte dafür allemal.

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Dec 1, 2013

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Sep 13, 2013

The greatest trick the devil ever pulled...

"The greatest trick the devil ever pulled, was to make everyone believe that he doesn't exist." Das ist aus The Usual Suspects. Mit dem Teufel meine ich aber in diesem Zusammenhang die Neoliberalen - oder "das" Neoliberale Gedankengut, das uns weiß machen wollte (und will), dass Wachstum geil ist, und dass alles schon irgendwie gut gehen wird. Dass die Krise von 2008 und die Staatsfinanzierungskrise der letzten Jahre einfach dazugehören, weil wir das System noch nicht optimiert haben, weil es ja ach so verdammt kompliziert ist. Das Finanzsystem besteht aus Zahlen. Natürlich müssen, bis aus Intentionen und Wünschen Zahlen werden einige Dinge passieren. Jemand muss sich entscheiden zur Bank zu gehen und einen Kredit aufzunehmen. Jemand muss die Entscheidung treffen sich ein Auto zu kaufen. Das ist aber nicht der Grund, weshalb die amerikanischen Investmentbanken pleite gingen. Der Grund ist, dass sie beschissen haben. Subprime Anleihen wurden als Prime oder Superprime verpackt und verkauft. Die Rate-Agenturen haben das übrige dazu getan. In einem System das nur aus Zahlen besteht, war es möglich so zu bescheißen, dass sich Griechen und Portugiesen ihr Leben nehmen, weil sie keine Zukunft mehr sehen. Uns wird suggeriert, dass das System kompliziert ist, weil es aus irgendeinem Grund kompliziert sein muss, weil wir ja so viele Menschen sind die Geld ausgeben, einnehmen, verleihen usw. etc. pp. Das ist Komplexität. Wenn man aber möchte, kann man Komplexität verstehen. Wir tun das heutzutage mit wissenschaftlichen Methoden. Standardisierbare Situationen schaffen, wiederholt messen, Statistik machen. All das ist in der Wirtschaft fremd. Diese Leute schauen lieber auf die Größe von Bernankes Koffer, als auf die Zahlen vor ihnen. Diese Leute spekulieren lieber, als zu rechnen. Warum nur? Weil es EINFACHER ist. Es ist bequem auf Hokuspokus der den Bullshit der anderen zu hören, auf Gerüchte oder den Quatsch den die Rate-Agenturen in die Welt kotzen.

Diese Leute wollen das System das sie mit aufgebaut haben gar nicht verstehen. Sie wollen so weiter machen wie gehabt, weil es bequem ist, weil es nicht so schwierig ist wie das was Wissenschaftler Tag täglich tun - nämlich an sich selbst zu zweifeln. Und deshalb, weil diese Menschen nicht dazu GEZWUNGEN wurden an sich zu zweifeln nachdem das Kartenhaus zusammenbrach, genau deshalb stürzen sich jetzt griechische Rentner in den Tod und nicht die Banker die es verdient hätten. Genau deshalb kotzen Merkel, Schäuble, der IMF und alle anderen Tag täglich in die Welt hinaus, dass eh schon arme Staaten sparen müssen, ihre Menschen verarmen lassen müssen und alles privatisieren müssen, damit…ja, damit…das verdammte System bestehen bleibt. Damit wir Deutschen uns nicht fragen müssen, warum es uns denn angeblich immer noch so gut geht, und der Rand Europas gerade in den Abgrund stürzt. Damit sich keiner Fragen muss warum die Rate-Agenturen heute mehr Macht denn je haben, obwohl sie die ganze Scheiße 2008 mit verursacht haben.

Wir alle sind belogen worden, aber wir können es nicht einsehen, weil wir keine Alternative sehen. Das neoliberale Geschwätz ist zu ubiquitär, dass überhaupt gar nicht über Alternativen nachgedacht wird. Und so lange aus Bankenkrisen Staatskrisen werden können; so lange Excel-Tabellen gefälscht werden und so lange das Bild vom faulen Griechen wieder aus der Versenkung gekramt wird - so lange werden wir nicht sehen, dass der Teufel in uns allen ist. Jeder der einen 0%-Kredit aufnimmt unterstützt dieses System. Jeder der in Versicherungen einzahlt unterstützt dieses System. Wir sind alle Teil dieses Systems. Wir sind alle Teufel und sehen es nicht.

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Sep 13, 2013

The greatest trick the devil ever pulled...

"The greatest trick the devil ever pulled, was to make everyone believe that he doesn't exist." Das ist aus The Usual Suspects. Mit dem Teufel meine ich aber in diesem Zusammenhang die Neoliberalen - oder "das" Neoliberale Gedankengut, das uns weiß machen wollte (und will), dass Wachstum geil ist, und dass alles schon irgendwie gut gehen wird. Dass die Krise von 2008 und die Staatsfinanzierungskrise der letzten Jahre einfach dazugehören, weil wir das System noch nicht optimiert haben, weil es ja ach so verdammt kompliziert ist. Das Finanzsystem besteht aus Zahlen. Natürlich müssen, bis aus Intentionen und Wünschen Zahlen werden einige Dinge passieren. Jemand muss sich entscheiden zur Bank zu gehen und einen Kredit aufzunehmen. Jemand muss die Entscheidung treffen sich ein Auto zu kaufen. Das ist aber nicht der Grund, weshalb die amerikanischen Investmentbanken pleite gingen. Der Grund ist, dass sie beschissen haben. Subprime Anleihen wurden als Prime oder Superprime verpackt und verkauft. Die Rate-Agenturen haben das übrige dazu getan. In einem System das nur aus Zahlen besteht, war es möglich so zu bescheißen, dass sich Griechen und Portugiesen ihr Leben nehmen, weil sie keine Zukunft mehr sehen. Uns wird suggeriert, dass das System kompliziert ist, weil es aus irgendeinem Grund kompliziert sein muss, weil wir ja so viele Menschen sind die Geld ausgeben, einnehmen, verleihen usw. etc. pp. Das ist Komplexität. Wenn man aber möchte, kann man Komplexität verstehen. Wir tun das heutzutage mit wissenschaftlichen Methoden. Standardisierbare Situationen schaffen, wiederholt messen, Statistik machen. All das ist in der Wirtschaft fremd. Diese Leute schauen lieber auf die Größe von Bernankes Koffer, als auf die Zahlen vor ihnen. Diese Leute spekulieren lieber, als zu rechnen. Warum nur? Weil es EINFACHER ist. Es ist bequem auf Hokuspokus der den Bullshit der anderen zu hören, auf Gerüchte oder den Quatsch den die Rate-Agenturen in die Welt kotzen.

Diese Leute wollen das System das sie mit aufgebaut haben gar nicht verstehen. Sie wollen so weiter machen wie gehabt, weil es bequem ist, weil es nicht so schwierig ist wie das was Wissenschaftler Tag täglich tun - nämlich an sich selbst zu zweifeln. Und deshalb, weil diese Menschen nicht dazu GEZWUNGEN wurden an sich zu zweifeln nachdem das Kartenhaus zusammenbrach, genau deshalb stürzen sich jetzt griechische Rentner in den Tod und nicht die Banker die es verdient hätten. Genau deshalb kotzen Merkel, Schäuble, der IMF und alle anderen Tag täglich in die Welt hinaus, dass eh schon arme Staaten sparen müssen, ihre Menschen verarmen lassen müssen und alles privatisieren müssen, damit…ja, damit…das verdammte System bestehen bleibt. Damit wir Deutschen uns nicht fragen müssen, warum es uns denn angeblich immer noch so gut geht, und der Rand Europas gerade in den Abgrund stürzt. Damit sich keiner Fragen muss warum die Rate-Agenturen heute mehr Macht denn je haben, obwohl sie die ganze Scheiße 2008 mit verursacht haben.

Wir alle sind belogen worden, aber wir können es nicht einsehen, weil wir keine Alternative sehen. Das neoliberale Geschwätz ist zu ubiquitär, dass überhaupt gar nicht über Alternativen nachgedacht wird. Und so lange aus Bankenkrisen Staatskrisen werden können; so lange Excel-Tabellen gefälscht werden und so lange das Bild vom faulen Griechen wieder aus der Versenkung gekramt wird - so lange werden wir nicht sehen, dass der Teufel in uns allen ist. Jeder der einen 0%-Kredit aufnimmt unterstützt dieses System. Jeder der in Versicherungen einzahlt unterstützt dieses System. Wir sind alle Teil dieses Systems. Wir sind alle Teufel und sehen es nicht.

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