Weil ich ab und zu gefragt werde, wie ich auf die Musik für den Machtdose-Podcast stoße und der so im Ganzen entsteht, mal eine kleine, aber nicht sonderlich ordentliche Reihe dazu.
Zunächst und naheliegend: ich muss mir ne Menge Zeugs anhören. Eins der großen Vorurteile oder auch tatsächlichen Erfahrungen mit der Netlabel- und Netaudio-Welt ist ja: viel zu viel und damit viel zu viel Mist und es fehlt jegliche Orientierung. Nicht zuletzt ist die Hauptintention meines Podcastdingelchens ja deshalb auch, so eine Art "Listeners Digest" auf Basis meines eigenen, bescheidenen Geschmacks zu schaffen.
Es ist eben wie überall: 95% Mist 5% Toll! Wenn ich in einen Plattenladen ginge oder mich durch Beatport / Itunes / Amazon / You name it ackerte, käme vermutlich exakt dasselbe Bullshit/Gold-Verhältnis bei raus.
Insgesamt beträgt der Zeitaufwand fürs reine Anhören von Krams pro Folge ca. 15-20 Stunden / Monat, was sich meistens auf drei bis vier lange Abende vorm Rechner zusammenfügt.
Pro Folge werden es dann wundersamerweise immer um die 75 Minuten und ungefähr 20 Titel, die ich spiele. Das ist sehr konstant das, was für mich so als vorstellenswerte Masse aus dem Abgrasen von ca. vier Wochen Veröffentlichungen von Netlabels usw. übrigbleibt.
Das schöne beim Anhören und Zusammenstellen ist, wie über die Zeit der Korpus für jede Folge organisch wächst und an Eigenständigkeit gewinnt, indem man daran rumknetet, Titel rein- und raussortiert, an der "richtigen" Reihenfolge feilt usw., bis man irgendwann das Gefühl hat, die Zusammenstellung "passt" (sog. Mixtape-Phänomen).
Fürs Zusammensuchen nutze ich vor allem das immernochige Tool schlechthin fürs systematische Netzabgrasen: RSS. Heißt, in meinem Google-Reader habe ich ziemlich viele Feeds von Seiten und Quellen (für die Machtdose-Recherche vielleicht so 400). Am aller-aller-aller-wichtigsten ist: die Netlabel-Sektion bei archive.org - eben, weil ein sehr großer Anteil existierender Netlabels dort ihre Releases zum Download bereitstellt.
Wirklich: man kann das Internet Archive dafür (und längst nicht nur dafür, denn es ist ja wesentlich mehr) gar nicht hoch genug schätzen, lobpreisen und finanziell unterstützen Ich halte es ganz ernsthaft und ohne jede Abstriche für eine der wichtigsten Kulturinstitutionen, die es überhaupt gibt.
Nicht wenige mögen archive.org nicht und unterschätzen dessen Bedeutung, z. B. wegen seines 1punktnulligem Design, den wenigen Features, dem Fehlen jeglichen Socialmediagedöns, es steht im Ruf, eine eher schwache Infrastruktur zu haben (früher waren die Server z. B. wirklich sehr, sehr langsam, ist aber längst nicht mehr so).
Der RSS-Feed aller Releases aus der Netlabel-Sektion bei archive.org wirft so ca. 400 Veröffentlichungen pro Monat aus. Das ist schon eine Menge und da ist selbst mir die Signal/Noise-Ratio zu hoch und überfordernd. Deshalb ziehe ich mir auch neben dem Gesamtfeed die Einzelfeeds derjenigen Netlabels, bei denen ich irgendwann mal auf irgendetwas Interessantes gestoßen bin (die Einzelfeeds gehen alle in obig erwähnten Gesamtfeed ein). Das sind so ca. 150 Einzel-Feeds von Netlabels und die grase ich immer zuerst ab, bevor ich mich dem Gesamtfeed zuwende - dann brauche ich den nur noch danach zu überfliegen, was ich davon nicht kenne und vielleicht ja auch noch hörenswert erscheint (so wie es Netlabels gibt, die ich schätze, gibts eben z. B. solche, bei denen ich gleich weiß, da ist nix für mich bei).
Im Übrigen höre ich bei den Releases natürlich nicht alle Tracks und die dann komplett an, das wäre ja schon allein bei den ganzen Veröffentlichugnen auf archive.org nicht zu schaffen. Daher kommen wir einem weiteren wichtigen Werkzeug, das ich nutze, es handelt sich dabei um ein kleines, uraltes Greasemonkey-Skript namens Playlist (das bei mir auch nur im Firefox funktioniert). Immer wenn auf einer Seite mp3s verlinkt sind, stellt dieses Skript sie in einer Playlist zusammen, wenn man auf einen kleinen Button rechts oben auf der Seite anklickt, der immer erscheint, wenn eben mp3s auf einer Seite angeboten werden.
Auch hier existieren mittlerweile "modernere" Werkzeuge, etwa exfm. Macht dasselbe - also mp3-Tracks einer Seite werden in die exfm-App/deren Player geladen, aber "Playlist" ist für meine Zwecke besser geeignet, weil ich dann die Trackliste in den Player meiner Wahl einstellen kann - das ist bei mir vlc und der streamt einfach am schnellsten und zuverlässigsten. Was ich damit meine ist: wenn ich mir über vlc Tracks streame und da reinhöre, kann ich in den Tracks sehr schnell herumspringen, fast so, als hätte ich sie auf einem Plattenteller und brauche dann nur die Nadel bei den gewünschten Stellen runtersenken, - bei exfm und anderen Playern / Angeboten dauert das Springen innerhalb der Tracks im Vergleich viel länger (mein Eindruck: weil die Datenmenge der Lücken trotzdem geladen wird - oder so, kann alles aber auch subjektiv sein).
So kann ich also sehr bequem und auch sehr schnell mich durch so ein Release scannen - denn seien wir mal ehrlich: oft genügen ja wenige Bruchteile, um zu wissen, ob so ein Stückchen Musik für einen taugt oder nicht.
tl;dr: Wichtigste Quelle für Machtdose-Podcast: - archive.org (dortige Netlabels-Sektion via RSS, besonders die Einzelfeeds der für mich interessantesten Labels)
Weitere wichtige Tools fürs schnelle Anhören und Durchscannen: Greasemonkey-script playlist und Medienplayer vlc
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